Hilfe mit einem Fingertipp

Alle 53 Minuten nimmt sich ein Mensch in Deutschland das Leben. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen steigen die Raten. Mit einer App, dem „Krisen-Kompass“, möchten die TelefonSeelsorge-Stellen in Westfalen jetzt ein Hilfsangebot entwickeln, das zur digitalen Lebenswirklichkeit vieler Menschen passt und dabei mit einem Fingertipp zu nutzen ist.

Die TelefonSeelsorge arbeitet an der Entwicklung einer App, die vor allem jungen Menschen in Momenten der Ausweglosigkeit helfen soll.

„Vor allem erhoffen wir uns, damit mehr Jugendliche zu erreichen“, erklärt Birgit Knatz, Leiterin der TelefonSeelsorge (TS) Hagen-Mark. Die App soll aber auch ein Hilfsangebot für Familien und Freunde selbstmordgefährdeter Menschen sein.

In anderen Ländern hat sich die praktische Umsetzung dieser Idee bereits bewährt. In England und Holland sei dieser „digitale Erste-Hilfe-Koffer für Suizidale“, wie die Diplom-Sozialarbeiterin sagt, erfolgreich im Einsatz. „Dort wird das Angebot sehr gut genutzt.“ Das deutsche Konzept soll sowohl Online- als auch Offline-Komponenten kombinieren: neben der Möglichkeit zur unmittelbaren Kontaktaufnahme mit der TS über die App sollen dort zum Beispiel Fotos, Musik, Notizen und Kontakte gespeichert sein. „In dem Moment der Ausweglosigkeit können diese Inhalte wirken wie eine ganz persönliche Schatzkiste, die all das enthält, für was es sich zu leben lohnt.“

Die Initiative ist inzwischen auch auf Bundesebene vorgestellt worden. Verschiedenen Projektgruppen kümmern sich um die inhaltliche Gestaltung der App und die erforderlichen finanziellen Mittel. Sowohl Birgit Knatz als auch ihr Leitungskollege bei der TS, Dr. Stefan Schumacher, sind in diesen Gruppen vertreten. Am 10. September, dem Welttag der Suizidprävention, soll die App an den Start gehen. „Die TelefonSeelsorge versteht sich als die zentrale Einrichtung für Suizidprävention“, sagt Dr. Stefan Schumacher. „Um das Angebot aber so breit wie möglich aufzustellen, wollen wir gerne andere Krisendienste dazu nehmen.“

Bisher hat die TelefonSeelsorge in Deutschland knapp 50.000 Euro über Spenden für die Entwicklung der App erhalten; nötig aber sind 120.000 Euro. Wer die TelefonSeelsorge bei der Entwicklung des Krisen-Kompass unterstützen möchten, kann auf folgendes Konto spenden: Bank für Kirche und Caritas, IBAN: DE79 4726 0307 0011 9300 00, BIC: GENODEM1BKC. Weitere Informationen, auch zur Spendenmöglichkeit, gibt es unter http://www.krisen-kompass.app.

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