Gemeinsam ganz aktiv in Sachen Umweltschutz

Eine Flasche aus Edelstahl, nachfüllbar und praktisch für unterwegs, gibt es jetzt in der Paulus-Gemeinde in Hagen zu kaufen. „Ein konkreter Schritt zur Müllvermeidung“, erklärt Pfarrerin Elke Schwerdtfeger. Mit ihrem Angebot folgt die Gemeinde übrigens keinem aktuellen gesellschaftlichen Trend. Sie setzt vielmehr fort, was sie schon seit fast zwei Jahrzehnten ganz aktiv betreibt: Umwelt- und Naturschutz ganz konkret.

Friedrich-Wilhelm Kruse, Monika Dittmer, Pfarrerin Elke Schwerdtfeger, Kerstin Zuber, Barbara Thieme und Pfarrer Martin Schwerdtfeger kümmern sich in der Paulusgemeinde ganz aktiv um die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Foto: Kristina Hußmann

Mit einer Solaranlage auf dem Dach des Gemeindehauses im Jahr 2001 fing alles an. Im Jahr 2012 wurde die Gemeinde erstmals im Rahmen des landeskirchlichen Programms „Grüner Hahn“ zertifiziert. In der gleichnamigen Gruppe befassen sich heute viele Menschen mit dem gemeindlichen Umweltmanagement, kontrollieren den Energieverbrauch, entwickeln Systeme zur Müllvermeidung, steuern die Umstellung auf LED anstelle von herkömmlichen Glühlampen, pflegen einen wilden Garten hinter der Kirche, der mit seiner unzählbaren Vielfalt von Pflanzen und einem Totholzhaufen den idealen Lebensraum für Insekten und Vögel bietet – „ein paradiesischer Zustand für viele Tiere“, so Barbara Thieme, die den Garten ehrenamtlich hegt und pflegt. Falken- und Nistkästen auch für Fledermäuse sind schon lange installiert.

„Die Gemeinde tut hier sehr viel für den Natur- und Artenschutz und nimmt damit in Hagen eine Vorreiterfunktion ein“, bewerte vor einiger Zeit Frank Munzlinger vom NABU (Naturschutzbund) in Hagen. Und: Das Thema findet auch in der theologischen Arbeit statt; in Gottesdiensten, Arbeitsgruppen oder Projektabenden. „Wir versuchen, die Schöpfung ganzheitlich in den Blick zu nehmen“, so Pfarrer Martin Schwerdtfeger.

„Uns ist vor allem wichtig, das Thema in der Breite anzugehen, dabei unseren Blick zu weiten auch ein Bewusstsein zu schaffen bei den Menschen unserer Gemeinde und auch unseres Stadtteils“, ergänzt seine Frau Elke. Zum Konzept gehört der wilde Garten ebenso wie der Eine-Welt-Laden mit fair gehandelter Ware, die Verköstigung mit regionalen und Bio-Produkten oder auch die regelmäßige Kontrollen von Strom- und Wasserzählern. „Wir machen viele kleine Schritte“, sagt Pfarrer Martin Schwerdtfeger: „Wir haben in den vergangenen Jahren viele Fenster erneuert, unsere Heiztechnik verändert und bieten mit Kindersachenbörse und Trödelmarkt Gelegenheit, Gebrauchtes an andere Menschen weiterzugeben und somit Müll zu vermeiden.“

Hinter dieser ganzheitlichen Herangehensweise steckt viel Idealismus, aber vor allem auch System. Um die Auszeichnung „Grüner Hahn“ behalten zu können, steht alle vier Jahre die Rezertifizierung an. Die Landeskirche stellt zur Dokumentation und Nachvollziehbarkeit eine Software zur Verfügung. „Das hilft uns, im Detail genauer hinzugucken“, so Elke Schwerdtfeger.

Dass die Paulusgemeinde in der Breite in Sachen Umweltschutz und Ressourcenmanagement am Ball bleiben kann, liegt vor allem auch daran: „Hier packen viele mit an und fühlen sich für ihre kleinen Teilbereiche verantwortlich.“ Die Gemeinschaft sei die Voraussetzung dafür, dass so etwas gelingen kann. „Und deshalb möchten wir auch andere Gemeinden ermutigen, sich dieser Sache intensiver anzunehmen“, sagt die Pfarrerin. „Wir können dabei gerne beratend unterstützen.“

 

Hintergrund

Ziel des Projekts "Der Grüne Hahn" in der Westfälischen Kirche ist es, das Umweltengagement von Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen systematisch weiter zu entwickeln und in Zeiten kirchlichen Umbruchs mit anderen Entwicklungszielen zu verknüpfen, z. B. mit einer drastischen Betriebskostensenkung oder einer Organisationsentwicklung. In 2019 wird der Grüne Hahn in Westfalen 15 Jahre alt und sein Anliegen, kirchliche Beiträge zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten, ist aktueller denn je. Aus diesem Grund gab es dazu eine Veranstaltung: "Update zum Kirchlichen Umweltmanagement". Bereits 2017 ist die EMAS-Verordnung novelliert worden und mittlerweile müssen auch Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen die neuen Anforderungen berücksichtigen. Hier spielen Begriffe wie "Kontextanalyse", "Identifikation der Anspruchsgruppen" und "Chancen- und Risikobewertung" eine Rolle. 

Ausführliche Informationen gibt es im Internet unter http://www.gruener-hahn.net/

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