„Auch jetzt hilft Reden!“

Die TelefonSeelsorge (TS) hilft Menschen, die in einer Krise stecken oder sich in einer Notsituation befinden. Durch die Ausbreitung des Corona-Virus‘ haben die Mitarbeiter*innen der TS Hagen-Mark ein Schwerpunktthema. Leiterin Birgit Knatz sagt: „Auch jetzt hilft Reden!“

Frage: Frau Knatz, wie sehr ist das Corona-Virus präsent bei der Arbeit der TelefonSeelsorge?
Antwort: Im Moment drehen sich 50 Prozent der Gespräche um dieses Thema. Die Quote ist rasant angestiegen: letzte Woche waren es knapp 25 Prozent, am Montag schon 39, und heute geht es bei der Hälfte aller Kontaktaufnahmen um das Corona-Virus.

Frage: Hat das Virus Einfluss auf ihre Mitarbeitenden?
Antwort: Das Thema ist natürlich auch bei den ehrenamtlich Mitarbeitenden präsent. Eines der häufigsten Themen im Zusammenhang mit der Arbeit in der TelefonSeelsorge ist die Frage: „Kann ich zum Dienst kommen, oder soll ich besser zu Hause bleiben.“ Hier nehmen wir eine Einschätzung in Anlehnung der Corona App der Charite vor. https://covapp.charite.de. DieApp bietet einen Test zur Einschätzung des Risikos und ist hilfreich als Entscheidungshilfe bezüglich eines Arztbesuch oder Coronavirus-Test.

Frage: Was genau beschäftigt die Menschen, die Sie per Telefon, Chat oder E-Mail kontaktieren?
Antwort: Ich gebe Ihnen ein paar Beispiel, die die Frage beantworten: Eine Anruferin ist in Sorge um ihre Tochter, die als Ärztin praktiziert. Ein Chatter hat Angst um seine Mutter, die über 80 Jahre alt ist und gerade eine  schweren Infekt durchlebt. Eine Frau, dich sich per Telefon an uns gewandt hat, arbeitet im Tierschutz und ist entsetzt, wie viele  Menschen ihre Tiere aus finanzieller Not jetzt abgeben. Ein weiterer Anrufer hat große Angst vor dem Virus und schimpft auf die  Mitmenschen, die sich nicht den Empfehlungen und Vorschriften gemäß  verhalten. Eine Frau versetzt die Vorstellung, in Zeiten des Virus‘ einkaufen gehen zu müssen, in Panik. Eine andere ist sehr verunsichert, weil der Verlauf der Corona Krise nicht klar ist und fürchtet sich vor den Konsequenzen dieses Ausnahmezustandes. Per Mail haben wir mit einer Frau Kontakt,  die eine Fernbeziehung führt und traurig ist, wie sie ihren Freund nicht sehen kann. Ein Chatter hat einen 450-Euro-Job, den er noch zum Leben braucht. Aber er hat auch Angst, sich bei der Arbeit anzustecken.

Frage: Welche Rolle spielt jetzt Einsamkeit?
Antwort: Viele Menschen, die sich melden, egal, in welchem Medium, haben Angst davor, dass sie nicht besucht werden, nicht raus können und ihnen dann die Decke auf den Kopf fällt. Das sind häufig die Menschen, die nicht berufstätig sind und auch sonst wenig soziale Kontakte haben.

Frage: Wie können Sie den den Menschen, die einsam sind und/oder unter Ängsten leiden, jetzt helfen?
Antwort: Reden hilft! Und Schreiben auch. Der Austausch mit anderen schafft Raum, bringt die Ängste ins Gespräch und macht deutlich: Ich bin nicht alleine. Ein gutes Beispiel dafür ist die Anruferin, die sich sehr sorgt, was die Corona Krise und dieser Ausnahmezustand mit uns macht. Nach einer Weile des Gesprächs konnte sie sich entspannen. Wir haben vereinbart, dass sie sich jeder Zeit wieder melden kann. Sie meinte, dass alleine das Wissen darum ihr gut tut.

Frage: Was können wir alle tun, um Nähe zu geben und Mitmenschen Ängste zu  nehmen?
Antwort: Wir können aufhören von sozialer Distanz zu sprechen und es so bezeichnen wie es ist: als räumlichen Abstand. Auch bei räumlichen Abstand können wir uns unterhalten. Und im Kontakt miteinander sein. Und dass wir Nachbar*innen Hilfe beim Einkaufen anbieten, gehört natürlich auch dazu.

Mit Birgit Knatz sprach Kristina Hußmann.

 

Die TelefonSeelsorge ist telefonisch (0800.1110111 oder 0800.1110222), per Mail oder Chat (online.telefonseelsorge.de) an 365 Tagen rund um die Uhr, Tag und Nacht, erreichbar. Das Angebot ist kostenlos für Menschen, die sich alles von der Seele reden wollen und Rat brauchen.

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