„Judas“ in der Reformierten Kirche in Wetter

„Judas“ in der Reformierten Kirche in Wetter

„Judas“ in der Reformierten Kirche in Wetter

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„Judas“ in der Reformierten Kirche in Wetter

Der bekannte Theaterschauspieler Urban Luig spielt am Samstag, 21. März, um 18 Uhr den Judas in dem gleichnamigen Ein-Personen-Stück von Lot Vekemans in der Wetteraner Reformierten Kirche. Der Eintritt kostet 15 Euro. Tickets sind bereits im Vorverkauf im Gemeindeamt der Ev. Kirchengemeinde Alt-Wetter erhältlich (geöffnet bis auf mittwochs von 8 bis 12 Uhr, mittwochs von 14 bis 18 Uhr, Telefon: 02335.4461). Im Interview erzählt Urban Luig, der in Wetter lebt, welche Bedeutung es für ihn hat, das Stück in einer Kirche aufzuführen und welche inhaltlichen Impulse für ihn besonders wichtig sind.

Frage: Wie kommt es, dass Sie das Stück in der Reformierten Kirche in Wetter aufführen?
Antwort:  Die evangelische Kirchengemeinde möchte die Reformierte Kirche in Zukunft öfter für kulturelle Veranstaltungen nutzen. Die Kirche soll als Ort der Begegnung auch neben den Gottesdiensten etabliert werden. Dies ist die erste Veranstaltung dieser Art. Deswegen gibt es nach der Vorstellung auch ein Publikumsgespräch. Es sind demnächst auch Lesungen, Konzerte, Vorträge und ähnliches angedacht. Ich hatte mit Pfarrer Karsten Malz schon vor einem Jahr darüber gesprochen, dass ich den „Judas“ schon öfter in Kirchen gezeigt hatte und auch gern in Wetter präsentieren würde. Da bot es sich jetzt an, das Stück vor Ostern in der Reformierten Kirche aufzuführen.

Frage: Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie „Judas“ auf einer Bühne, zum Beispiel im Theater, oder in eine Kirche spielen?
Antwort: Es spielt auf jeden Fall eine Rolle, an welchem Ort das Stück gezeigt wird. Im Theater wird bei jeder Inszenierung viel Wert auf das Bühnenbild gelegt. Der Bühnenraum ist eine weitere künstlerische Ebene, die neben dem Schauspiel und dem Inhalt die Aussagekraft des Stückes beeinflusst. Wenn ich in einer Kirche auftrete, bin ich in einem Gotteshaus; der Ort, an dem Jesus für mich fast spürbar anwesend ist. Die Auseinandersetzung Judas‘ mit seinem Verhältnis zu Jesus wird in diesem Rahmen direkter und intensiver.

Frage: Das Stück passt inhaltlich gut in die Zeit vor Ostern. Was ist aber das Thema des Stücks, wenn man es losgelöst von der (biblischen) Geschichte betrachtet?
Antwort: Unabhängig vom religiösen Kontext ist Judas einer von vielen „gefallenen Helden“, die häufig in Theaterstücken vorkommen. Er ist ähnlich verbissen und aggressiv wie ein Franz Moor aus Schillers Räubern oder ein Dr. Faust, der sich vom Teufel verführen lässt. Judas ist letzten Endes ein ehrgeiziger und enttäuschter Mensch, der tragische Fehler begeht. Wie viele solcher Figuren sieht er sich aber im Recht und kämpft in dem Stück um Anerkennung. Das Besondere ist auch, dass der Judas in diesem Stück viel weniger geistliche als vielmehr weltliche Ziele verfolgt. Er sieht Jesus als mächtigen Führer an, der das Zeug hat, ein weltliches Königreich zu errichten, in dem Gerechtigkeit herrscht. Judas verzweifelt daran, dass Jesus kein weltlicher Herrscher sein will. Zu was Menschen fähig sind, wenn ihre Sehnsüchte und Wünsche nicht erfüllt werden, ist immer wieder Stoff für Dramen und Tragödien und insofern wird es auf jeden Fall ein spannender Theaterabend.

Frage: Finden Sie, dass das Stück in einer Zeit, in der Krisen und Kriege die Weltlage bestimmen, einen wichtigen Impuls liefern kann? Und wenn ja, welchen?
Antwort: Ich glaube, dass gute Textvorlagen die Zuschauenden in ihren Bann ziehen. Sie bekommen dadurch automatisch Impulse, sich neu oder mit einem anderen Blickwinkel mit der realen Welt auseinanderzusetzen. Das gilt in schwierigen Zeiten, die wir gerade erleben, aber auch in einer friedlicheren Welt. Meiner Ansicht nach ist unsere Welt ein Ort, der nie zur Ruhe kommt. Insofern sind Kunst und Theater immer von Bedeutung, um sich auf friedliche Weise mit dem Hier und Jetzt auseinanderzusetzen. Sicher werden die Zuschauenden bei dem Besuch der Vorstellung Verbindungen zur aktuellen Weltlage ziehen. Es geht um den Frieden in der Welt.  Judas ist bereit, für dieses Ziel alles zu tun und begeht einen tragischen Fehler.  Vielleicht versteht man Judas heute sogar besser, in dieser Zeit, in der alle vom Frieden träumen.

 

Info und Hintergrund:
Mehr zum Inhalt: In einem eindringlichen Monolog erhält eine der umstrittensten Figuren der Bibel selbst das Wort und wird nicht als Verräter, sondern als komplexe Figur dargestellt, die mit Jesus eine tiefere Beziehung hatte. Die Autorin Lot Vekemans hat einen sehr direkten und ergreifenden Text geschrieben, über jemanden, der sich dagegen wehrt, als das personifizierte Böse zu gelten. Die Autorin erzählt eine unbekannte Geschichte über eine Bibelfigur, die jeder zu kennen meint. Judas ist in dem Stück eine heutige, heruntergekommene Seele, die sich noch einmal an die Menschen wendet, um sich zu verteidigen und seine Sicht auf die Dinge klarzumachen. Er spricht eine moderne Sprache und rechtfertigt seine Tat. Was er eigentlich mit seinem „Verrat“ beabsichtigt hat, wird in diesem Monolog deutlich. „Die Inszenierung hält Überraschungen bereit, die den üblichen Erwartungen, wenn es um einen religiösen Kontext geht, nicht entsprechen. Die Zuschauer erwartet eine moderne Herangehensweise an dieses Thema“, so Schauspieler Urban Luig, der sich freut, das Stück in der Wetteraner Kirche aufzuführen.

„Kulturelle Veranstaltungen sollen in der Reformierten Kirche künftig eine wichtige Rolle spielen“, erklärt dazu Pfarrer Karsten Malz. „Dabei sind selbstverständlich auch Nutzungen ohne kirchlichen oder kirchenjahreszeitlichen Bezug möglich.“ Zwar würden in der Kirche noch regelmäßig Gottesdienste gefeiert (4. oder 5. Sonntag im Monat und an bestimmten Feiertagen). „Da wir aber mit Blick auf das Gebäude eine kostenneutrale Lösung für unsere Gemeinde finden müssen, bauen wir auf Kooperationen, unter anderem mit der Stadt Wetter, und wollen Menschen miteinander in Verbindung bringen, die sich kreativ mit der Nutzung beschäftigen.“

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