15/07/2026 0 Kommentare
Gefängnisseelsorgerin besucht Reli-Kurs am AD
Gefängnisseelsorgerin besucht Reli-Kurs am AD
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Gefängnisseelsorgerin besucht Reli-Kurs am AD
Für den evangelischen Religionskurs der Jahrgangstufe 7 am Albrecht-Dürer-Gymnasium (AD) war das eine ungewöhnliche Unterrichtsstunde: Anstatt ihres Religionslehrers Olaf Wiegand (Schulleiter) stand Elena Kersten vorne neben dem Pult. Die Theologin ist Gefängnisseelsorgerin und mit 40 Prozent ihrer Stelle in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Hagen im Einsatz. Mit weiteren 60 Prozent arbeitet sie in der JVA in Schwerte. Im AD stellte sie sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Und die waren sich einig: „Das war total interessant. Hoffentlich kommt sie nochmal wieder.“
Die Schülerinnen und Schüler hatten sich auf den Besuch der Pfarrerin vorbereitet und einen Stichwortkatalog erarbeitet. Sie fragten Elena Kersten nach ihrem Werdegang, nach den Besonderheiten im Umgang mit den Inhaftierten und den Schwierigkeiten aber vor allem auch nach den Themen, die die Inhaftierten mitbringen. „Die meisten Gespräche finden unter vier Augen in meinem Büro statt“, so die Pfarrerin, die in den Vollzugsanstalten auch Gesprächsgruppen und Sonntagsgottesdienste anbietet. „In Schwerte haben wir ein Chorprojekt angestoßen.“ Das sei zwar sehr aufwändig und mit vielen organisatorischen Hürden verbunden. „Aber im Rahmen solcher Projekte kann es auch im Gefängnis zu einem Gemeinschaftsgefühl kommen. Das ist dann besonders schön.“
„Es geht in den Gesprächen natürlich auch um das Thema Schuld und die Tat, deretwegen jemand in der JVA ist“, so die Theologin. „Sehr oft besprechen wir auch Probleme mit der Familie und der Partnerschaft, die in dieser Situation oft schwerwiegend sind.“ Aber es gehe auch um das Leben im Gefängnis. „Einige kommen auch mit einem religiösen Interesse zu mir. Das ist im Gefängnis übrigens oft größer, weil die Gefangenen auf sich selbst zurückgeworfen sind. Und, weil sie manchmal auch aus Langeweile die Bibel lesen.“
Das Wesentliche sei bei ihrer Aufgabe, Vertrauen herzustellen: „Offen zu sein, zuzuhören, nicht zu verurteilen und die Menschen ihre Perspektive erzählen zu lassen – dass sind die Grundsätze von Gefängnisseelsorge“, erklärte Elena Kersten, deren Aufgabe in der Gesamtbetrachtung der Arbeit in einer JVA zum Ziel der Resozialisierung gehört. „Manchmal motiviere ich die Inhaftierten zu einer Therapie. Davor haben viele Angst.“
Ihre Schweigepflicht sei bei allem ein ganz entscheidender Aspekt. „Für das Vier-Augen-Gespräch gilt: Nichts davon darf ich weitergeben – selbst, wenn mich die Insassen darum bitten - und ich darf auch mit niemandem vertrauensvoll darüber sprechen.“ Das sei manchmal schon belastend, weil die Geschichten der Inhaftierten oft bewegend seien. „Vor allem, wenn es jemandem sehr schlecht geht und ich mich um sein Leben sorge, nehme ich das schon mit nach Hause.“ Auch, ein Geheimnis zu kennen, könne eine Last sein.
Zweifel an ihrem Beruf habe sie deshalb nicht. „Meine Aufgabe macht mir meistens Spaß, und ich fühle mich auch ein Stück weit dazu berufen.“ Denn: „Ich bin überzeugt davon, dass Gott zu jedem Menschen eine Beziehung hat. Ich versuche, sie in den Gesprächen aufzudecken oder ihr nachzuspüren.“
Angegriffen worden sei sie in diesen Gesprächen oder anderen Situationen ihrer Arbeit noch nie, so die Pfarrerin auf Nachfrage. „Es gibt ja im Gefängnis hohe Sicherheitsstandards“, erklärte Elena Kersten. „Aber die Gefangenen wissen auch, dass ich nichts von ihnen will, dass ich da bin, um zuzuhören.“ In dieser Situation stecke nicht viel Konfliktpotenzial.
Es sei übrigens nicht schon immer ihr Ziel gewesen, im Gefängnis zu arbeiten, erklärte sie. „Ich wollte immer nah an den Menschen sein und dann ergab es sich, nachdem ich schon viele Jahre in anderen Bereichen als Pfarrerin gearbeitet hatte.“ Woran sie aber oft zurückdenke, sei ein Pflichttermin mit der Schule bei der Arbeitsagentur. „Ich war vielleicht ein bisschen älter als ihr und hatte keine konkrete Vorstellung, was ich mal beruflich machen könnte.“ Dann hätten sie alle einen Test machen müssen, deren Ergebnis sie bis heute staunen lasse, aber vielleicht auch zu ihrer Überzeugung von ihrem Beruf als Berufung passe: „Mein Testergebnis sagte: Du kannst gut Gefängnisseelsorgerin werden.“
Bildinfo:
Pfarrerin Elena Kersten (vorne, Vierte von links) hat den evangelischen Religionskurs der Jahrgangstufe 7 am Albrecht-Dürer-Gymnasium (AD) besucht und dabei von ihrer Arbeit als Gefängnisseelsorgerin unter anderem in der Justizvollzugsanstalt Hagen (JVA) berichtet. Foto: Kristina Hußmann
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