„Der Draht zu den Menschen war prägend“

„Der Draht zu den Menschen war prägend“

„Der Draht zu den Menschen war prägend“

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„Der Draht zu den Menschen war prägend“

„Der Laden sieht mich nicht wieder“ - das stand für den Jugendlichen Jürgen Schäfer fest, der seinen Konfirmationsspruch so „schrecklich“ fand, dass er erstmal auf Distanz zur Kirche ging. Lange dauerte diese Trennung allerdings nicht. Über die Jugendarbeit nahm er wieder engeren Kontakt auf. Und als er im Zivildienst vor allem mit kranken und sterbenden Menschen zu tun hatte, wurde aus einer Idee ein fester Plan: „Ich studiere Theologie.“ Seit 1994 war Schäfer Pfarrer in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde. Jetzt ist er von Superintendent Henning Waskönig in einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet worden.

„Ich danke für Ihr vielfältiges und tatkräftiges Engagement in den verschiedenen Zusammenhängen, für Ihren verlässlichen und zupackenden Dienst“, so Waskönig in seiner Ansprache. „Mit Ihnen, lieber Jürgen Schäfer, war es auch als Superintendent nie langweilig. Besonders E-Mails wenige Tage vor einer Synode ließen den Puls schon mal nach oben schnellen. Ich habe das kritische Miteinander aber immer sehr geschätzt.“

Jürgen Schäfer absolvierte sein Studium in Bielefeld und Heidelberg. Seinen Abschluss machte er an der Uni Bochum. In dieser Zeit wurden auch seine Kinder geboren. Für das Vikariat blieb er in der Stadt. „Mein betreuender Pfarrer war übrigens der spätere Schwiegervater vom meiner heutigen Kollegin Sandra Thönniges“, erzählt der Theologe. „Es ist schon spannend, welche Querverbindungen sich im Leben so auftun.“

Nach dem Hilfsdienst bewarb er sich in Haspe. Und er wurde gewählt. „Mein Vater hat damals die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Er war Stahlwerker und hätte sich ein anderes Umfeld für mich gewünscht“, erinnert sich Schäfer. „Ich habe mich aber in Haspe immer wohl gefühlt und hier eine gute Zeit erlebt. Die Gemeinde hat mir immer den Rücken gestärkt. Ich war am richtigen Ort.“

In den mehr als drei Jahrzehnten hat Jürgen Schäfer viele Strukturveränderungen begleitet und gestaltet. „Ich habe Kirche immer als sich verändernd erlebt. Ein besonderer Einschnitt war der Verkauf von Krankenhaus und Altenhilfe“, blickt er zurück. Prägend für seine Arbeit sei aber vor allem der „Draht zu den Menschen“ gewesen. „Zu den Menschen in den Gemeinden und im Stadtteil.“ Besonders am Herzen lagen dem scheidenden Pfarrer zum Beispiel die Kindergartenfreizeiten, aber auch die Gestaltung der Osterwege – zuletzt auf dem Friedhof. „Die haben meine Kreativität herausgefordert und mir echt Spaß gemacht.“ Genauso wie Taufen und Trauungen, von denen er gerade in der jüngsten Vergangenheit wieder viele gemacht habe. Sein Engagement für Geflüchtete machte ihn zu einem Experten für Kirchenasyl.

„Jetzt bin ich bereit für den Ruhestand“, sagt der Theologe mit fester Stimme. „Ich sehne mich nach mehr Freiheit und lege die Herausforderungen von Kirche mit einem guten Gefühl in andere Hände.“ Besonders freue er sich darauf, alles mit Zeit und Muße angehen zu können: Kochen, Reisen, Gartenarbeit. „Und dass ich an Weihnachten keinen Dienst haben werde, das ist schon toll.“

„Sie blicken fröhlich und zuversichtlich auf die kommende Zeit des Ruhestands“, so der Superintendent zum Abschluss. „Es tut gut, die Verantwortung der vergangenen Jahre nun ablegen zu können. Es kommt etwas Neues. Bleiben Sie behütet und reich gesegnet.“

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