Birgit Knatz seit 30 Jahren bei der TelefonSeelsorge

Birgit Knatz seit 30 Jahren bei der TelefonSeelsorge

Birgit Knatz seit 30 Jahren bei der TelefonSeelsorge

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Birgit Knatz seit 30 Jahren bei der TelefonSeelsorge

Sie ist seit 30 Jahren das Gesicht der TelefonSeelsorge (TS) in Hagen: Birgit Knatz, Diplom-Sozialarbeiterin, ausgebildete Supervisorin, Fundraiserin und Führungskraft. Zusammen mit Dr. Stefan Schumacher leitet sie die TS Hagen-Mark, die ihren Sitz in der Dödterstraße am Rande des Ebersgeländes hat. Nach drei Jahrzehnten bei dem Beratungsdienst, der von der evangelischen und katholischen Kirche getragen wird, blickt sie zurück uns sagt: „Vieles hat sich natürlich maßgeblich verändert.“ Zu Beginn ihrer Arbeit habe es bei der TelefonSeelsorge noch keinen einzigen Computer gegeben. Heute gehe nichts mehr ohne. Inhaltlich aber sei Entscheidendes gleichgeblieben: „Die großen Themen, über die die Menschen mit uns sprechen, sind dieselben: Beziehung und Einsamkeit.“

In der Wochenzeitung „Die Zeit“ entdeckt Birgit Knatz die Stellenanzeige, die ihren beruflichen Weg für die nächsten Jahrzehnte bestimmen wird. Gesucht: eine stellvertretende Leitung für die TelefonSeelsorge in Hagen. „Ich hatte gerade meine Supervisionsausbildung angefangen uns wusste, dass das gefragt war“, so die Dortmunderin. „Also habe ich mich beworben. Zusammen mit 80 anderen.“ Sie bekommt die Stelle und macht sich aus der benachbarten Großstadt, in der sie heute noch lebt, auf den Weg an die Volme. Woran sie sich gut erinnert, „als wäre es gestern gewesen: Ich war geschockt von den Büroräumen. Es war alles braun. Die Möbel, die Wände, die Türen, einfach alles. Da habe ich erstmal Farbe ins Spiel gebracht. Richtig viel Farbe.“

Nach mehreren Umzügen hat die TelefonSeelsorge Hagen-Mark ihren Sitzt schon seit vielen Jahren in der Dödterstraße 10. Die Farbe ist geblieben. „Das gehört zu mir“, so Birgit Knatz. „Genauso wie die Affinität zu Technik und Innovation.“ So ist die Diplom-Sozialarbeiterin die Initiatorin in der Internetsseelsorge in Deutschland. Bereits zu Beginn ihrer Tätigkeit treibt sie die Mail-Arbeit in der TS voran. „Das war erstmal ein riesiger Aufwand, weil wenig Hardware vorhanden war und viele Mitarbeitende eine große Scheu vor dieser Art zu arbeiten hatten.“ Die junge Leiterin bleibt hartnäckig. „Bis es dann gelaufen ist.“ Und so halte sie es mit jeder technischen Neuerung. „Bei uns gibt es eine Gruppe, die damit eigentlich nichts zu tun haben will“, sagt sie. Genau mit dieser Gruppe würde sie Innovationen intensiv testen und trainieren. „Ich sage immer: Erst, wenn ihr das verstanden habt, kann es für uns als Gemeinschaft gut funktionieren.“ Das Konzept geht auf. „Natürlich haben heute alle ein Smartphone, um vernünftig arbeiten zu können“, erklärt Birgit Knatz. „Aber vor allem geht die digitale Schere bei uns nicht sehr weit auseinander.“

In den 30 Jahren, die die Supervisorin und Buchautorin in verantwortlicher Position bei der TelefonSeelsorge arbeitet, hat sie mehr als 200 Menschen ausgebildet, die in der Folge ehrenamtlich bei der TS im Einsatz waren oder es immer noch sind. „Schon immer ist der Frauenanteil dabei deutlich höher gewesen und liegt stabil bei rund 75 Prozent.“ Interessant sei die Entwicklung des Altersdurchschnitts der Ehrenamtlichen: „In den 90er Jahren lag dieser bei etwa 31 Jahren, heute sind die Mitarbeitenden im Schnitt 61 Jahre alt.“

Dass diese Spanne recht gut zu ihrem eigenen Alter passt – von ihrem Start bei der TS bis heute – ist natürlich Zufall. Aber: Die Differenz ist nicht nur ein Zeichen für maßgebliche Veränderungen während dieses Zeitraums - mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen und damit Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement. Sondern sie markiert auch für Birgit Knatz einen Lebensabschnitt, in dem es für sie persönlich etliche Möglichkeiten zur Veränderung gegeben hätte. „Bei allen Optionen habe ich mich immer gefragt, was ich hinzubekomme und was ich verliere“, blickt die Sozialarbeiterin zurück. „Mir hätte an anderen Stellen viel gefehlt, was ich hier immer machen und weiterentwickeln konnte“.

Ihre Leidenschaft für Technik und die Entwicklung neuer Seelsorgeformate in diesem Zusammenhang, ihre Freude an der Ausbildung Ehrenamtlicher und an der Öffentlichkeitsarbeit und vor allem auch ihre Tätigkeit als Autorin von Fachbüchern – all das konnte Birgit Knatz unter dem Dach der TelefonSeelsorge vorantreiben, intensivieren und zusammenfügen. „Die Vielfalt, die diese Arbeit bietet, konnte ich nutzen. Das war und ist einfach das Richtige für mich.“

Auch nach 30 Jahren hat Birgit Knatz noch viele Ideen für die Weiterentwicklung der TelefonSeelsorge. Zu den Themen, die sie anstoßen und voranbringen möchte, gehören ein breites Bündnis zur Suizidprävention, Möglichkeiten für ehrenamtliches Arbeiten von zu Hause und erste Schritte beim Einsatz künstlicher Intelligenz (KI). „Wenn die Menschen bei uns anrufen, kann es sein, dass sie nicht direkt durchkommen“, erklärt die Expertin. „An dieser Stelle könnte uns eine vorgeschaltete KI, die Erreichbarkeit sicherstellt und weitervermittelt, helfen.“

Ihr Dienstjubiläum hat Birgit Knatz mit dem Team der Ehrenamtlichen gefeiert. „Ohne sie würde es die TelefonSeelsorge in dieser Form nicht geben. Deshalb ist es mir sehr wichtig, zu diesem Anlass, allen Mitarbeitenden zu danken.“ Superintendent Henning Waskönig (leitender Theologe Ev. Kirchenkreis Hagen) nutzte das Jubiläum für einen Gruß an die Leiterin: „Danke für allen Einsatz! Danke für Ihre Herzensfrische, für Ihre Lust an den Menschen und ihren Besonderheiten, und nicht zuletzt für das aktive, eigenständige Gestalten Ihrer Freiheiten in der Leitung der Telefonseelsorge!“

Weitere Info:
In diesem Jahr ist das neue Buch von Birgit Knatz erschienen: Knatz, Birgit - Perrone, Patrick: KI in der psychosozialen Beratung – Verstehen, gestalten, verantworten. Das Praxisbuch, Klett-Kotta

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