"Das Gute sehen und das Gute sagen"

Als Chefredakteurin von 107.7 Radio Hagen vertritt Cordula Assmann eine klare Meinung: "Kirche sollte selbstbewusst öffentlich sein". Im Interview für die "Das-ist-der-Hammer-Kampagne" spricht die Hagener Journalistin darüber, welche Nachrichten sie herausfordern.

"Die guten Nachrichten sind in meinem Fokus", sagt Cordula Assmann. Foto: Martina Döbler/TSEW

Welche Nachricht fordert Sie persönlich heraus?

Im Grunde fordern mich alle Nachrichten heraus. Im privaten Bereich sind das vielleicht andere als im beruflichen. Für unsere Radiosendungen gibt es dabei harte Kriterien, mit Hilfe derer wir täglich als Team entscheiden. Und dabei gibt es natürlich Nachrichten – an denen kommt man nicht vorbei und stößt vielleicht als Journalist auch an seine Grenzen. Ein aktuelles Beispiel ist die Politik von US-Präsident Donald Trump, seine Einreiseverfügungen, der Plan, eine Mauer zu Mexiko zu bauen. Dabei vermischen sich berufliche Notwendigkeiten stark mit persönlichen Empfindungen. Das ist immer herausfordernd.

 

Haben es schlechte Nachrichten leichter, wahrgenommen zu werden?

Ja, das stimmt leider in vielen Fällen. Aber gerade deshalb sind die guten Nachrichten in meinem Fokus. Mein Ziel ist immer, das Gute zu sehen und das Gute zu sagen. In unserem beruflichen Alltag spielen die schlechten Nachrichten eine große Rolle und brauchen sich ihren Platz nicht zu erkämpfen. Um als Journalistin das Positive zu sehen und dem auch Raum zu geben, braucht man schon auch Mut. Mein Ziel ist es immer, konstruktive Nachrichten zu verbreiten und auch die guten Geschichten zu erzählen. Der Fokus auf die Negativschlagzeilen ist auf Dauer ungesund. Und das gilt dann wieder für beide Bereiche: beruflich und privat.

 

Haben Sie das Gefühl, dass Kirche, die Überbringerin der guten Nachricht schlechthin, ihre positiven Geschichten offensiv genug nach außen trägt?

Ich finde, das Motto „tue Gutes und rede darüber“ könnte die Kirchen noch mehr zu ihrer Strategie machen. Es finden sich dort so viele positive Themen, allein schon im Bereich Ehrenamt und ganz aktuell der Flüchtlingsarbeit. Aber diese Geschichten könnte Kirche noch mehr nach außen tragen. Und damit auch für Menschen erzählen, die vielleicht nichts mit Kirche zu tun haben. Ich möchte die Menschen, die in der Kirche engagiert sind, wirklich ermutigen, über ihr Tun, ihre Projekte und Ideen zu berichten. Mein Eindruck ist, dass Kirche in ihrem Selbstverständnis viele gute Geschichten gar nicht wahrnimmt.

 

 Was wünschen Sie sich in ihrer Profession als Journalistin von Kirche?

Ich wünsche mir einen offenen und kontinuierlichen Dialog und Transparenz, zum Beispiel über strukturelle Änderungen. Und ich wünsche mir, dass die Kirche uns über ihre Themen auf dem Laufenden hält. Dabei gibt es vielleicht auch Dinge, auf die wir selbst nicht kommen. Aber wir freuen uns – wie schon gesagt - immer über eine gute Nachricht. Ich habe schon oft gehört: „Ach, das interessiert euch doch bestimmt nicht.“ Aber das ist falsch! Nicht jedes Thema ist ein mediales Thema. Aber über jedes Thema können wir sprechen. Dazu gehören natürlich auch Missstände und Probleme. Vertrauen und Dialog – das sind wohl die entscheidenden Schlagwörter. Kirche kann und sollte mit Selbstbewusstsein öffentlich sein und auch Stellung beziehen. So kann zum Beispiel, wer in diesem Land Christ ist, die AfD oder Pegida nicht gut finden und muss das auch sagen.

 

Und was wünschen Sie sich in Ihrer Profession von den Medien im Umgang mit Kirche und Religion?

Ich wünsche mir, dass Redaktionen auch über das normale Programm hinausgehen, gute Nachrichten zu interessanten Nachrichten machen; dass sie religiöse Themen übersetzen – vor allem für jene, die keinen Draht dazu haben. Und dass sie gestalten und dabei auch Verantwortung übernehmen im Sinne von Moral und Ethik.

 

Mit Cordula Assmann sprach Kristina Hußmann.