Ökumenischer Neujahrsempfang auch als Live-Stream

Mit einer Präsenzveranstaltung und einem Live-Stream hat am vergangenen Samstag der ökumenische Neujahrsempfang stattgefunden. Unter anderen Umständen besuchen deutlich über 100 geladene Gäste den Empfang, den der Evangelische Kirchenkreis Hagen und das Katholische Dekanat Hagen-Witten seit vielen Jahren gemeinsam ausrichten. Die Besucher*innenzahl war in diesem Jahr aufgrund der Corona-Situation auf 60 Personen vor Ort begrenzt worden. „So haben wir uns entschlossen, die Veranstaltung auch digital anzubieten“, so Superintendent Henning Waskönig.

(Von links)Dechant Dieter Aufenanger, Professor Holger Zaborowski, Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Superintendent Henning Waskönig beim Ökumenischen Neujahrsempfang. Foto: Kristina Hußmann

Nach einem ökumenischen Gottesdienst in der St.-Marien-Kirche in der Hagener Innenstadt ging es im Rathaus an der Volme um die Frage, ob die Krisenzeit auch die Zeit der Helden ist - so das Thema des Referenten Professor Holger Zaborowski.Zunächst begrüßte Dechant Dieter Aufenanger die Gäste in Ratssaal „und auch alle die, die per Live-Stream zugeschaltet sind.“ Es sei eine Freude – allen Umständen zum Trotz – dieses Jahr ökumenisch starten zu können. In seiner Eröffnungsansprache bezog Aufenanger klar Position zu den jüngsten Schlagzeilen in Bezug auf die katholische Kirche: „Es schmerzt mich persönlich sehr, wie sich Menschen aus der Verantwortung ziehen“, so der Dechant. „Das sind keine glorreichen Auftritte.“ Vor Ort aber sehe er, wie viele mit viel Engagement für die Kirche aktiv sind. „Und das macht mir Mut“.

Erik O. Schulz, Oberbürgermeister der Stadt Hagen und damit Gastgeber für den Ökumenische Neujahrsempfang, bezog sich in seinem Grußwort auf die Jahreslosung: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen (Joh 6,37).“ Er nehme diese Worte als Einladung für „uns alle, uns einander anzunehmen, offen zu sein, im Gespräch zu bleiben und Respekt vor anderen Meinungen und der vor allem auch der Schöpfung zu haben.“ Der Respekt sei sein Leitmotiv für sein persönliches Handeln in dem kommenden Jahr.

Dechant Dieter Aufenanger

Professor Holger Zaborowski, der nach etlichen Stationen im In- und Ausland jetzt eine Professur für Philosophie an der Universität Erfurt innehat, richtete den Blick in seinem Vortrag auf die Held*innen unserer Zeit. „Wir sind vorsichtig wegen unserer Geschichte des missbrauchten Heldentums“, so der Philosoph, „und befinden uns in einem Zeitalter nach einem falschen Heroismus.“ Dennoch gebe es die Held*innen in unserem Alltag. „Und wir brauchen diese Helden, weil wir Vorbilder brauchen.“

Den Helden des Alltags gehen es nicht um Selbstoptimierung, sondern um das Leben mit und für andere Menschen.Anhand von vier Krisenszenarien skizzierte Zaborowski das Heldentum der Gegenwart: Die Krise des Alltags könne nur bewältigt werden zum Beispiel mit dem Personal in den Klinken, bei der Polizei oder der Feuerwehr. Der Krise der Wahrheit brauche Wissenschaftler und Journalisten, die sich gefährlichen Wahrheitskreationen entgegenstellten. Die Krise der Gerechtigkeit fordere eine couragierte Gesellschaft und ebenso politische Helden. Und die Krise des Sinns, „denn durch die Pandemie sind viele Gewissheiten infrage gestellt“, rufe die Religion und auch die Kultur auf den Plan.

Superintendent Henning Waskönig

„Auch in diesen Bereichen gibt es Menschen die heldenhaft agieren.“ Sein Fazit: „Wir müssen vorsichtig sein in der Anwendung des Begriffs und wachsam sein in Bezug auf seine Ambivalenz, aber wir können auch sehen, dass es die Held*innen gibt und sollten uns bewusst sein, dass wir sie auch nach der Pandemie brauchen werden.“

Superintendent Henning Waskönig sprach das Schlusswort an diesem Vormittag und dankte Zaborowski für die „Schärfung des Blicks“. Mit auf seine Reise zurück nach Erfurt gab er dem Philosophen eine Tasse, die den Hagener im Superman-Kostüm zeigt. Es sei einfach passend, für diesen Vortrag nach Hagen zu kommen.

Der Ökumenische Neujahrsempfang kann noch für weitere 14 Tage über folgenden Link angeschaut werden: https://youtu.be/Z5yxVZ9aooE

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