Jubiläum der kleinen Gesten

Ein Lächeln, ein Händedruck, ein offenes Ohr: Meistsind es die kleinen Gesten, welche die Arbeit der Grünen Damen & Herren am Agaplesion Allgemeinen Krankenhaus Hagen neben der umfassenden medizinischen und pflegerischen Betreuung für die Patienten so unverzichtbar machen. Nun feiern die guten Geister des Hauses ein ganz besonderes Jubiläum: Bereits seit 40 Jahren sind sie hier im ehrenamtlichen Einsatz.

Das aktuelle Leitungsteam der Grünen Damen und Herren am AKH: Ulrike Stallmann, Ellen Schmidt, Christine Welz, Hilde Lanhenke, Helga Möller, Christiane Weiskirch und Ursula Herzog (vo. li. na re.).

Gut 45 Damen und Herren engagieren sich derzeit im Rahmen der Evangelischen Kranken- und Altenhilfe am AKH, um Patienten von Jung bis Alt in einer körperlichen und psychischen Ausnahmesituation zu begleiten– ein ziemlich großes Team, wenn man weiß, wie das Ehrenamt generell Land auf, Land ab mit Nachwuchssorgen kämpft. „Die haben wir auch – aber vielleicht ein bisschen weniger als andere“ erzählt Leiterin Christine Welz mit Stolz und einem Lächeln.Sie selbst ist - wie so viele hier – vor 27 Jahren über persönliche Kontakte zu den Grünen Damen gekommen und geblieben. Andere wie Hans-Werner Peters haben als Patient „selbst erfahren, wie gut es tut, wenn jemand einem Zeit schenkt“ und möchten etwas zurückgeben. „Wir werden hier von den Patienten, aber auch von den Mitarbeitenden sehr wertgeschätzt“, sucht Christine Welz zu ergründen, warum viele so lange bleiben. Dies drücke sich in einem „tollen Zusammenhalt“, einem guten Fortbildungsangebot, aber beispielsweise auch in den vom AKH zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten aus, „in denen wir vernünftig arbeiten können“, so die Leitung weiter. Denn längst sind die Grünen Damen und Herren nicht nur Ohr und Hand für die Patienten. Sie führen zudem eine gut ausgestattete Kleiderkammer für bedürftige Patienten und leiten eine umfangreiche Patienten-Bibliothek. 

Das geht nicht ohne eine gewisse Organisation, die ein siebenköpfiges Leitungsteam übernimmt. „Aber keiner von uns möchte ausschließlich Schreibtischtäter sein, daher besuchen wir alle auch Patienten“, erklärt Christine Welz das Prinzip. Das war nicht immer so: „Am Anfang saßen die Einsatzleiterinnen ausschließlich im Büro. Für uns ist das heute undenkbar. Wir möchten mit Patienten arbeiten“, stellt sie die Gewichtung klar. So hören sie zu, haben Zeit für Gespräche, holen Dinge des Alltages wie die Tageszeitung aus der Cafeteria sowie aus der Stadt und holen für alleinstehende Patienten auch schon mal Hygieneartikel wie Lieblings-Deo aus der eigenen Wohnung. „Nicht nur daran merkt man, dass die Menschen heute weniger soziale Kontakte haben, weniger eingebunden sind als früher“, berichten die Grünen Damen und Herren aus ihrem Alltag. Vieles hat sich verändert in den vergangenen 40 Jahren: Als am 17. Oktober 1978 die Grünen Damen ihre Arbeit am AKH aufnahmen, war eine Tätigkeit für Frauen neben Küche und Kindern einigen männlichen Patienten noch eine spitze Bemerkung wert. „Das hat sich zum Glück gewandelt“, erzählen die Damen mit einem Schmunzeln – „und auch wir haben jetzt sogar Herren in unseren Reihen!“ Auch mussten die Patienten in der Regel noch deutlich länger im Krankenhaus bleiben. Aufgrund besserer medizinischer Behandlungsmöglichkeiten hat sich die Liegezeit deutlich reduziert. „Das macht es schwieriger, mit Patienten in Kontakt zu kommen!“, da sind sich alle Ehrenamtlichen einig. Lediglich schwerstkranke Patienten sehe man öfter, begleite sie ein Stück, manchmal auch bis zum Lebensende. Einige Grüne Damen und Herren haben deswegen eine Hospizausbildung abgeschlossen – auch, um damit umgehen zu können. „Mitfühlen ja, Mitleiden nein“, lautet die Devise. Immer wieder kommen so auchberührende Begegnungen zustande. Und nicht immer muss dabei viel gesagt werden: „Ich habe eine Patientin besucht, die zu schwach war, um mit mir in Kontakt zu treten, geschweige denn zu sprechen. Also war ich einfach nur da – und dann hat sie gelächelt“, berichtet Hans-Werner Peters von einer für ihn sehr prägenden Situation. 

Für jeden Wochentag gibt es ein festes Team mit einer Tagesleitung, welches die Patienten auf den Stationen besucht und auch den Büchereiwagen mitnimmt. Dazu kommt freitags noch eine Gottesdienstgruppe, die die Patientinnen und Patienten in jedem Krankenzimmer einladen und auf Wunsch auch zur Kapelle begleiten. Die Mitglieder dieser Gruppe gestalten auch den Gottesdienst aktiv mit. Auch andere Grüne Damen und Herren übernehmen besondere Aufgaben. So ist Ursula Herzog die Herrin der Kleiderkammer, während Ellen Schmidt über die gut 3000 Bücher in 13 Sprachen wacht. „Das hat sich einfach so entwickelt“, erzählen die Damen nicht ohne Stolz. Missen möchte seine Aufgabe niemand, die definitiv „kein reiner Zeitvertreib ist“. „Man braucht ein gewisses Maß an Lebenserfahrung, Feingefühl und einfach den Wunsch, anderen zu helfen“ – so beschreiben die Tagesleiterinnen die „Einstellungsvoraussetzungen“.

Am 11. Oktober 2018 wird nun erst einmal gefeiert. Dann richtet das Krankenhaus eine kleine Jubiläumsfeier mit Festgottesdienst aus. Dazu sind viele Weggefährten aus den vergangenen 40 Jahren eingeladen.

Und wer nun Interesse bekommen hat, die nächsten 40 Jahre mitzugestalten: Die Grünen Damen und Herren freuen sich immer über Verstärkung. Nähere Informationen dazu gibt es täglich von 09:00 – 12.00 Uhr unter (02331) 201 1042.

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