Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder

Spätestens mit dem Advent hat die Zeit der leuchtenden Kerzen begonnen. Sie brennen auf den Kränzen, vor den Fenstern und Türen, in den Kirchen. Sie geben Licht in der dunklen Jahreszeit und auf dem Weg zur Weihnacht. Wenn die Besucher der Hagener Pauluskirche (Gutenbergstraße 18) am zweiten Advent eine um die andere Kerze entzündet haben, dann steht jede Flamme für einen Namen.

Wenn die Besucher der Hagener Pauluskirche am zweiten Advent eine um die andere Kerze entzündet haben, dann steht jede Flamme für einen Namen.

Für alle verstorbenen Kinder wird an diesem Tag um 16 Uhr ein Gottesdienst gefeiert. Eingeladen sind Eltern, Geschwister, Verwandte, Freunde. „Es wird viel Raum für das Erinnern sein“, sagt Pfarrer Jürgen Krullmann, der den Gottesdienst als Krankenhausseelsorger am Agaplesion Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Hagen mitorganisiert. „Im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen und neben Informationsmaterial die Möglichkeit zum Austausch.“

An diesem Tag werden auch Rita Henschel und ihre Familie in die Pauluskirche kommen. Sie haben im vergangen Jahr Sara verloren. Ihre Tochter, Schwester, Enkelin, Nichte… . Sara, die von Geburt an schwer krank war, starb kurz vor ihrem sechsten Geburtstag. „Sie ist immer bei uns“, sagt Rita Henschel. „Die Erinnerung an Sara ist hell!“ Dennoch habe es eine besondere Bedeutung, an einem herausgehobenen Moment ein Licht anzuzünden. „Deshalb werden wir hingehen.“ Im vergangenen Jahr habe es für die Geschwister ein kleines Geschenk gegeben. „Das war für die beiden ein schöner Augenblick, auch wenn sie sehr traurig waren.“

„Uns ist ganz besonders wichtig, dass es an diesem Tag um alle Angehörigen geht, die ein Kind verloren haben“, erklärt Krullmann. „Es spielt keine Rolle, wie lange es hier ist oder zu welchem Zeitpunkt sich Familien von einem Kind trennen mussten“, so der Pfarrer. „Der Gottesdienst am 8. Dezember bietet einen Platz und Zeit für jede Geschichte.“ So wird während des Gottesdienstes für jedes Kind nicht nur eine Kerze angezündet. In einem Gedenkbuch können die Namen der Kinder festgehalten und dann auch verlesen werden. „Wir laden alle Betroffenen ganz herzlich ein, auf diese Weise an die Kinder zu denken“, so der Seelsorger.

Ihre persönliche Geschichte auch ohne Worte teilen zu können, ist für Rita Henschel ein weiterer Grund, den Gottesdienst in der Pauluskirche zu besuchen. „Du weißt, dass dort Menschen sind, die dich verstehen und die Situationen kennen, die mit Leben vor und nach dem Tod eines Kindes verbunden sind.“ Außerdem begegne man zum Beispiel auch Schwestern und Ärzten aus dem Krankenhaus, die Hilfe anbieten können oder ein Stück des Weges mitgegangen sind. „Es ist unglaublich, was diese Menschen in der vergangenen Zeit für uns getan haben.“ Sie zu diesem Anlass wiederzusehen, habe etwas sehr Verbindendes.

Das Datum für diesen Gottesdienst wird übrigens nicht frei gewählt. Er findet seit vielen Jahren immer am zweiten Sonntag im Dezember statt – dem internationalen Candle Lighting Day. An diesem Tag werden rund um den Globus Kerzen für alle verstorbenen Kinder angezündet. Damit ist der Candle Lighting Day eine besondere Form des Erinnerns, die Menschen erdumspannend verbindet.

Den Gottesdienst organisieren neben dem Seelsorge-Team des AKH und dem Kinderhospizdienst Sternentreppe auch das Team der Bethanien Sternenkinder Hagen und die Selbsthilfegruppe „Treffpunkt verwaister Eltern“, zu dem Familien und auch Mitarbeiterinnen der Kinderintensivstation der Klinik gehören. Die Gruppe trifft sich sechs Mal im Jahr. Das erste Treffen in 2020 findet Freitag, 3. Januar, von 20 bis 22 Uhr im Anbau der Erlöserkirche auf Emst, Bergruthe 3, statt. Neben einem Mitglied der Krankenhausseelsorge ist auch immer eine Schwester der Kinderintensivstation des AKH dabei. Weitere Informationen gibt es unter ) sowie per WhatsApp (0176.91429746).
Cookie Hinweis
Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Nutzung dieser Cookies zu. Siehe auch unsere Datenschutzhinweise
Zur Kenntnis genommen