„Die Kirche von morgen muss nah bei den Menschen sein“

Es wäre die erste Synode gewesen, die Henning Waskönig nach seiner Wahl zum Superintendenten in Präsenz geleitet hätte. Doch der Corona-Test machte ihm am Morgen einen Strich durch die Rechnung. Nach knapp einer Woche in Quarantäne war das nicht unwahrscheinlich - und so erschien Henning Waskönig nicht in Person, dafür aber mit seinem aufgezeichneten Bericht auf der Leinwand im Gemeindehaus in Haspe.

Synodalassessor Karsten Malz (3. v. links) - hier zusammen mit dem Kreissynodalvorstand (KSV) - leitete die Synode in Haspe. Superintendent Henning Waskönig meldete sich aus der Quarantäne. Foto: Kristina Hußmann

Zuvor hatte die erste Kreissynode des Jahres mit einem Gottesdienst, geleitet von Pfarrerin Sandra Thönniges, in der Kirche an der Frankstraße begonnen. Synodalassessor Karsten Malz, Stellvertreter des Superintendenten und Gemeindepfarrer in Wetter, übernahm im Anschluss die Leitung der Synode, die mit kurzen Grußworten von Landeskirchenrätin Monika Pesch und Superintendent Andreas Schulte aus dem Kirchenkreis Schwelm startete.

„Wenn sie diesen Bericht sehen, hat es mit dem Freitesten leider nicht geklappt“, eröffnete Henning Waskönig seine Ansprache. Wie schön und gut sei es aber doch, dass die Synode in Präsenz stattfinden könne. „Wir gewöhnen uns wieder an die Nähe“, so der Superintendent.

Für seine Ausführungen zu Nähe und Distanz griff er den Titel des neuen Buches des deutsch-iranischen Schriftstellers Navid Kermani auf: Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen. „Für mich ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel meine Begrüßungstour durch den Kirchenkreis ein großer Gewinn. Ich komme näher heran an das, was die Menschen bewegt. Schritt für Schritt.“

Einen Schritt näher zu kommen – das klinge für die einen überschaubar. Das sei aber auch machbar. „Wir müssen versuchen, alle mitzunehmen, und wir dürfen nicht bummeln.“ So mühsam jeder Schritt manchmal zu gehen sei, so erfüllend könne er auch sein. „Ein gutes Beispiel ist da die Hilfe für Geflüchtete, die in vielen Gemeinden unserer Kirchengemeinden geschieht.“

Die Liste, der zu erledigen Dinge sei lang. Dazu kämen gesellschaftspolitische und weltgeschichtliche Veränderungen - und die Unzulänglichkeiten des eigenen Systems. Fest stehe für ihn: „Die Kirche von morgen muss eine sein, die nah bei den Menschen und nah bei Gott ist. Für die wichtigen Botschaften reichen manchmal wenige Worte. Wesentlich sind eine nahbare Verkündigung und ein geerdeter Glaube.“

Im Anschluss an den Bericht des Superintendenten stand die Wahl der theologischen Stellvertreter*innen für die Landessynode auf dem Programm. Hier wurden Pfarrerin Katharina Eßer (Ev.-Luth. Stadtkirchengemeinde) als 1. und Pfarrerin Leska Meyer (Ev. Kirchengemeinde Herdecke und Ev. Kirchengemeinde Volmarstein) als 2. Vertreterin gewählt.

Punkt 6 auf der Tagesordnung: Das Kirchengesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Hierzu referierte zunächst Anja Kersting, die in diesem Kontext seit dem 1. Februar 2022 als Multiplikatorin in den Ev. Kirchenkreisen Hagen, Hattingen-Witten und Schwelm zusammen mit Präventionsfachkraft Peter Unger arbeitet. Die beiden beraten, begleiten und unterstützen Leitungsgremien wie z.B. Presbyterien und die Kreissynodalvorstände bei der Erstellung von Schutzkonzepten, die bis März 2024 zum Beispiel für jede Kirchengemeinde vorliegen sollen.

Anja Kersting verortete das Thema mit einer Präsentation aus Bild, Text und Musik im biblischen Zusammenhang. „Mir ist klar, dass viele Aufgaben vor uns liegen“, sagte sie anschließend. „Ich möchte Ihnen Mut machen, sich auf den Prozess und einen Weg der kleinen Schritte einzulassen.“ Kirche müsse vor allem Schutzraum sein. „Ein sicherer Ort, an dem Menschen gefördert und in ihrer Entwicklung begleitet werden, geschützt vor sexuellen Übergriffen und Gewalt .“

Aus der Synode kam vor allem die Frage nach der Leistbarkeit für die Gemeinden. Konzepte müssten zentral erstellt werden, um den Arbeitsaufwand nicht zu hoch werden zu lassen. „Es gibt Bausteine für die Konzepte“, so Anja Kersting. „Aber wir müssen uns vor Ort auseinandersetzen, und es muss Leute geben, die es in die Hand nehmen.“ Nur so könne Leben in die Sache kommen. „Laden Sie uns in Ihr Presbyterium ein“, so die Multiplikatorin. „Wir unterstützen Sie.“

Im weiteren Verlauf der Synode folgte der Bericht des Perspektivausschusses. Dieser war durch die Kreissynode im Dezember 2021 eingesetzt worden, um einen Weg zu skizzieren, wie die Synodalen entscheiden können, in welcher Art und Weise Kirche im Raum Hagen in den kommenden Jahren gestaltet werden kann. Durch den Ausschuss sind in einem ersten Schritt aus der Kirchenkreiskonzeption heraus acht Grundsatzziele entwickelt und mit entsprechenden Kriterien hinterlegt worden. Diese wurden auf der Synode vorgestellt. In Arbeitsgruppen wurden diese Ziele dann auf ihre Wichtigkeit hin überprüft und in einem mehrstufigen Verfahren gemeinsam priorisiert. Das Ergebnis wird der Perspektivausschuss zur Weiterarbeit nutzen.

Am Nachmittag standen noch der Sachstandsbericht aus dem gemeinsamen Kreiskirchenamt und Berichte der gemeinsamen Rechnungsprüfungsstelle auf der Tagesordnung.

 

 

Cookie Hinweis
Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Nutzung dieser Cookies zu. Siehe auch unsere Datenschutzhinweise
Zur Kenntnis genommen