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30. April 2024

„Jeden Tag diakonische Werte leben“

Rund 150 Besucherinnen und Besucher haben im Rahmen des Jahresempfangs der Evangelischen Stiftung Volmarstein nicht nur das 120-jährigen Bestehen des diakonischen Unternehmens gewürdigt, sondern auch die Einführung von Pfarrerin Dr. Tabea Esch als Leiterin des Zentrums für Theologie, Diakonie und Ethik gefeiert. Die Theologin ist seit Jahresbeginn in der Stiftung tätig. Im Interview beschreibt Tabea Esch ihre bisherigen Eindrücke und erklärt ihre künftigen Vorhaben.

Stiftungs-Vorstand Markus Bachmann und weitere Stiftungs-Mitarbeitende gaben Pfarrerin Dr. Tabea Esch einen persönlichen Segen mit auf den Weg. Henning Waskönig, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Hagen (links im Bild), feierte den Einführungsgottesdienst.

Was hat sie bisher überrascht?
Auf jeden Fall die Vielfalt. Die Stiftung ist auf so unterschiedliche Weise für die Menschen da – das ist beeindruckend. Mitarbeitende sind sehr individuell auf die ihnen anbefohlenen Menschen und ihre Bedürfnisse eingestellt. Es ist berührend zu sehen, wie persönlich und familiär das Miteinander oft ist. Und es ist beeindruckend, wieviel spezielle Fachkompetenz sich in diesem Miteinander zeigt.

Was sind wichtige Themen, die für das Zentrum anstehen?
Ich möchte das Zentrum durch Teamarbeit mit Leben füllen, bereits Bestehendes fortführen und Neues entwickeln. Das Thema „Trauerbegleitung“ steht zum Beispiel im Arbeitskreis der Seelsorgenden an. Wir möchten noch mehr Mitarbeitende für diese Arbeit qualifizieren und Kompetenzen vernetzen. Beim Thema Gewaltschutz ist die Stiftung bereits gut aufgestellt. Es ist wichtig, dieses Thema fortlaufend im Blick zu haben und die Kommunikation über unsere Angebote und Maßnahmen zu stärken. Wichtig ist mir auch die Arbeit im Ethikrat, die Klärung ethischer Fragestellungen im Arbeitsalltag und die Entwicklung von Positionen z.B. zum assistierten Suizid. Viele weitere Themen wie Inklusion, Diversität und Kultursensibilität, sexuelle Bildung, Nachhaltigkeit, die Positionierung gegen Diskriminierung und Rechtspopulismus u.a. stehen ebenfalls an.

Die ESV ist ein diakonisches Unternehmen. Was ist daran besonders?
Diakonische Kultur muss gelebt werden. Nach außen wird das z.B. durch spirituelle Angebote sichtbar – etwa ein Begrüßungsgottesdienst für Schulanfängerinnen  und -anfänger oder der Segen bei der Examensfeier. Nach innen ist in der ESV überall spürbar: Mitarbeitende wollen bei uns mehr als nur Geld verdienen. Unabhängig von Konfession und Herkunft: Sie leben jeden Tag diakonische Werte wie Nächstenliebe, Toleranz und Menschlichkeit. Diese Haltung möchte ich bestärken und weiter und gemeinsam mit Interessierten an der Frage nach dem diakonischen Profil arbeiten – trotz wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen.

Wie kann das konkret gelingen?
Es ist mir ein Herzensanliegen, mit den Menschen der Stiftung in Kontakt zu kommen. So können wir gemeinsam Themen finden, die wichtig sind. Was gibt es bereits? Was können wir stärken und was brauchen wir neu? Was trägt zur Zufriedenheit bei? Wie nehmen wir einander wahr und was wollen wir miteinander teilen? Das kann z.B. eine gute Willkommens- und Abschiedskultur sein, neue Fortbildungen, die Stärkung der Fehlerfreundlichkeit oder mehr Seelsorge und Beratung vor Ort für alle, die in der Stiftung leben und arbeiten.

Der Bereich Fundraising ist ebenfalls dem Zentrum zugeordnet. Welchen Stellenwert haben Spenden für die Arbeit in der ESV?
Grundsätzlich decken wir die Ausgaben für die Menschen in der Stiftung aus den Zahlungen der Kostenträger wie zum Beispiel den Pflegekassen, der Arbeitsagentur, Eigenanteilen und auch aus dem, was wir erwirtschaften. Zusammen mit dem Engagement der Mitarbeitenden ist so für eine gute und liebevolle Betreuung gesorgt. Spenden ermöglichen aber das, wofür die Gelder sonst nicht reichen. Ein Ausflug der Kinder zum Zelten, ins Kino oder ins Eiscafé, Besuche von Tier- oder Musiktherapeuten, Verschönerung von Wohnbereichen und Gärten, Spielgeräte, Spezialwannen oder -betten, … – viele Dinge, die das Leben schöner und besser machen. Durch die Spenden entsteht zugleich auch eine grundsätzliche inhaltliche Verbindung der Spenderinnen und Spender zu unserer Stiftung, ein Mittragen der Werte und der Grundannahme, dass „das Leben gewinnt“, wenn Menschen gemeinsam für eine Sache eintreten. Das ist ebenfalls von großem Wert für uns und unsere Aufgabe und dafür sind wir dankbar.

 
Hintergrund:
Dr. Tabea Esch wuchs mit Menschen mit Behinderung auf, denn ihr Vater war Seelsorger in der Stiftung Eben-Ezer in Lemgo, einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung und Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Während des Theologiestudiums zog es sie im Rahmen des Diakoniepraktikums nach Schottland, um dort in einer Einrichtung für Menschen mit Unterstützungsbedarf zu arbeiten. Ihr Studium der Theologie absolvierte sie in Marburg und Münster. Die Arbeit in verschiedenen Gemeinden Südwestfalens prägten ihren beruflichen Weg ebenso wie die Arbeit in einem Hospiz und die Lehrtätigkeit am Predigerseminar in Wuppertal.   Neben der Theologie ist die Geige ihre zweite Leidenschaft. Sie liebt die klassische Kirchenmusik und spielt in einem festen Orchester, musiziert aber auch im Arbeitsalltag, wenn es passt. Dr. Tabea Esch ist 45 Jahre alt und hat einen 13-jährigen Sohn. Mit ihm teilt sie die Liebe zum Fußball. Anton ist ein begabter Torwart, und beide feuern regelmäßig im Stadion ihren BvB an.

Kontakt:
Pfarrerin Dr. Tabea Esch
Leiterin Zentrum für Theologie, Diakonie und Ethik
Martineum, Von der Recke-Straße 20, Wetter-Volmarstein
Mail: 

 

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