Andachten

04. Juli 2024

Ein kleines Stückchen Ewigkeit:
An(ge)dacht im Juli

Zu Beginn der Sommerferien kommt mir regelmäßig ein Gedicht von Robert Gernhardt in den Sinn. Es beginnt mit den Zeilen: „Mein Körper rät mir: / Ruh dich aus! / Ich sage: Mach ich, / altes Haus! / Denk aber: Ach, der / sieht’s ja nicht! / Und schreibe heimlich / dies Gedicht.“

Mit dem eigenen Körper ist das eine feine Sache. Häufig weiß dieser gut, wann es Zeit für eine Pause ist. Dann schmerzt der Kopf, zwickt es im Rücken, rebelliert der Magen. Ja, zumeist ist der Körper eines jeden und einer jeden recht erfindungsreich, um auch der letzten Gehirnzelle klarzumachen: Es reicht. Es ist Zeit für eine Auszeit. Ferien. Urlaub. Freie Zeit. Wie auch immer.

Ach, wenn es so einfach wäre. Denn da ist immer noch das eigene Ich. Und dieses hat bekanntlich seinen eigenen Willen und manchen Kniff parat, um heimlich noch ein Gedicht zu schreiben oder das eine wie das andere zu arbeiten oder zu erledigen. Was also tun?

Während ich diese Zeilen schreibe, läuft das Radio und die Moderatorin kommentiert, dass in ihrer Erinnerung die Schulsommerferien früher als Kind ewig dauerten. Bei mir war das ähnlich. Sechs Wochen frei. Eine kleine oder große Ewigkeit. Die Ferien waren damals eine tatsächliche Aus-Zeit, eine Zeit, in der die normalen Zeitabläufe ausgestellt und abgestellt waren. Die freie Zeit als ein Stückchen Ewigkeit.

Gerne hätte ich diese Erfahrung wieder zurück oder würde sie reaktivieren. Mein Ich müsste ich hierfür wohl überlisten, so dass es der notwendigen Pause nicht im Wege steht. Mal schauen, ob mir das gelingt. Ich bin allerdings zuversichtlich, denn neben dem zu Anfang zitierten Gedicht begleitet mich zu Beginn dieses Sommers die Melodie eines neueren Kirchenliedes. Der Refrain lautet: „Schenk uns Zeit! Schenk uns Zeit, Zeit aus deiner Ewigkeit!“

Freie Zeiten, die etwas Ewiges an sich und in sich haben, sind ein Geschenk. Für mich würde ich sagen: Sie sind ein Geschenk des Himmels, ein Geschenk Gottes. Solche besonderen Zeiten kann ich nicht machen, herstellen oder erzwingen. Aber ich darf sie annehmen und genießen. Denn es gibt jemanden, der mir genau diese freie Zeit schenken will. Als Auszeit von allem, was um mich herum tobt und mich fordert.

In diesem Sinne wünsche ich eine erfrischende und stärkende Sommerzeit!

Superintendent Henning Waskönig

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