7 Wochen ohne....:"Sich Unbequemem in den Weg stellen"

"Zeig Dich! Sieben Wochen ohne Kneifen" - so das diesjährige Fastenmotto der Evangelischen Kirche in Deutschland. Was dieses Motto konkret und der Verzicht grundsätzlich für die Menschen im Evangelischen Kirchenkreis Hagen bedeutet, wollen wir Ihnen in den kommenden Wochen an dieser Stelle mit kurzen Inteviews erzählen. In dieser Woche gewährt Pfarrer Thorsten Maruschke einen Einblick in seine persönliche Fastenzeit.

Pfarrer Thorsten Maruschke war zu Beginn der Fastenzeit im Kloster und hat dort die Abende mit einem Buch anstatt vor dem Fernseher beschlossen. Diese gute Erfahrung versucht er nun, in seinen Alltag zu "retten".

Frage:
7 Wochen ohne Kneifen – was bedeutet das für Sie persönlich?
Antwort:
Kneifen heißt ja immer, etwas Unbequemem aus dem Weg zu gehen. Nicht Kneifen heißt also, sich dem Unbequemem in den Weg zu stellen. Und das heißt automatisch, selbst unbequem zu werden. Ich stelle mich deshalb darauf ein, dass Menschen, denen ich meine widerständige Seite sonst oft erspare, sich wundern werden, was es an mir noch so alles zu entdecken gibt, das sie noch nicht kennen...

Frage:
Gibt etwas, auf das Sie besonders ungerne verzichten würden aber vielleicht einmal verzichten sollten?
Antwort:
Nachdem ich zu Anfang der Fastenzeit drei Tage im evangelischen Kloster war, habe ich bemerkt, wie bequem ich es mir manchmal nach einem anstrengenden Tag mache, wenn ich einfach vor dem Fernseher versacke und irgendetwas schaue, das mich meistens nur mäßig interessiert und unterhält. Viel befriedigender war es, im Kloster ohne Fernseher und stattdessen mit einem guten Buch den Abend zu beschließen. Diese Erfahrung in den Alltag zu retten, fällt mir seitdem sehr schwer, eben weil sie so unbequem ist.

Frage:
Was - glauben Sie - macht der konsequente Verzicht für eine bestimmte Zeit mit den Menschen?
Antwort:
Meine Erfahrung zum Beispiel beim Heilfasten ist, dass ich durch den konsequenten Verzicht aufs Essen meine Ernährungsgewohnheiten wieder "auf Werkseinstellung" zurücksetzen kann. Ein echter Reset, ein echter Neubeginn. Wenn das auch bei dem Verzicht auf andere Dinge gelingt, dann ist das ein guter Schritt auf dem Weg, den wir theologisch "Umkehr" nennen. Gott (und wir selbst) geben uns noch ne zweite Chance. Und noch eine, und noch eine..., der Mensch zu werden, als den Gott uns gemeint hat.

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