7 Wochen ohne...: "Verzicht schützt vor Beliebigkeit und Gleichgültigkeit"

"Zeig Dich! Sieben Wochen ohne Kneifen" - so das diesjährige Fastenmotto der Evangelischen Kirche in Deutschland. Was dieses Motto konkret und der Verzicht grundsätzlich für die Menschen im Evangelischen Kirchenkreis Hagen bedeutet, wollen wir Ihnen in den kommenden Wochen an dieser Stelle mit kurzen Inteviews erzählen. In dieser Woche gewährt Michael Lingenberg, Leiter des Referates für Kinder- und Jugendarbeit der Evangelischen Jugend, einen Einblick in seine persönliche Fastenzeit.

„7 Wochen ohne Kneifen“ bedeutet für Michael Lingenberg, bewusst mutig(er) und aufrecht(er) durchs Leben zu gehen und frei heraus den eigenen Standpunkt zu vertreten. Foto: TSEW

Frage:
Wochen ohne Kneifen – was bedeutet das für Sie persönlich?
Antwort:
Ich möchte mich in diesen Wochen daran erinnern lassen, dass wir als Christinnen und Christen eine Verantwortung tragen für die Welt, in der wir leben; für die Schöpfung, für Frieden und Gerechtigkeit. Mit kritischen Augen und Ohren möchte ich die Nachrichten ebenso verfolgen wie das Alltagsgeschehen. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch etwas bewirken kann, wenn er seine Stimme gegen Ungerechtigkeit erhebt und sich z.B. gegen ausländerfeindliche Sprüche oder andere Formen von Diskriminierung zu Wort meldet. „7 Wochen ohne Kneifen“ bedeutet für mich, bewusst mutig(er) und aufrecht(er)  durchs Leben zu gehen und frei heraus den eigenen Standpunkt zu vertreten. Alles aus der Überzeugung heraus, dass wir durch unser Tun oder Lassen diese Welt gestalten.

Frage:
Gibt etwas, auf das Sie besonders ungerne verzichten würden aber vielleicht einmal verzichten sollten?
Antwort:
Auf Weingummi, Schokolade und einen guten Rotwein verzichte ich eigentlich nur ungern, aber tatsächlich gerade in der Fastenzeit bewusst, weil ich mich nicht davon abhängig machen möchte. Besonders ungern würde ich auf die Begegnungen mit den Menschen verzichten, die mir lieb und teuer sind. Da fallen mir natürlich als erstes meine Kinder und meine Partnerin ein. Gerade die beiden Ältesten gehen längst ihre eigenen Wege und da wir nicht  in einem Haushalt leben, gibt es auch schon einmal längere Phasen, in denen wir uns nicht alle zwei, drei Tage sehen. Da merke ich schon, dass etwas (jemand) fehlt. Der Dienst als Gemeindepädagoge verlangt ja auch das eine oder andere mal „Beziehungsverzicht“: Sei es weil eine Dienstreise, eine Tagung oder auch eine Ferienfreizeit ansteht. Je länger die Abwesenheit ist, umso größer wird dann trotz WhatsApp & Co die Sehnsucht. Umso schöner ist natürlich dann auch das Wiedersehen!

Frage: Was - glauben Sie - macht der konsequente Verzicht für eine bestimmte Zeit mit den Menschen?
Antwort:
Der Verzicht, so erlebe ich es für mich, gibt dem, worauf verzichtet wird, den Wert zurück. Das gilt - auch wenn es merkwürdig klingt - für Weingummi und Schokolade ebenso wie für die Begegnungen mit anderen. Wenn ich verzichte, entdecke ich den Wert, den etwas oder jemand für mich hat, neu. Verzicht schützt aus meiner Sicht vor Beliebigkeit und Gleichgültigkeit. Verzicht hilft mir, mich neu auszurichten und erinnert mich an das, was Sinn macht, wirklich wichtig ist und Wert hat.

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