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05.04.2006 Hagen. Dieses Projekt ist einmalig für Hagen: Die „Vorhaller Ökumene gegen Armut“ eröffnete am Samstag, 1. April 2006, die „Vorhaller Palette″. Im ersten Obergeschoss des ehemaligen Vorhaller Amtshauses an der Vorhaller Str. 21 gibt es dann immer samstags Einkaufsmöglichkeiten für bedürftige Familien und Einzelpersonen. In den Räumen werden Backwaren vom Vortag und verpackte Lebensmittel, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen, gegen einen geringen Obolus weitergegeben.
Die ehrenamtlichen Helfer der evangelischen Kirchengemeinde Vorhalle sowie der katholischen Liebfrauen-Gemeinde nutzen dabei u.a. die Strukturen des Caritas-Warenkorbes. Dieser soziale Einkaufsmarkt in Wehringhausen öffnet zwei Mal in der Woche und leitet künftig die Waren an die „Palette" weiter, die nicht abgegeben worden sind.
„Wir wollten nichts neu erfinden″, sagt York Herwarth Meyer. Der evangelische Pastor erzählt, wie es zur Gründung der „Palette″ gekommen ist: „Im Jahr 2004 gab es ein ökumenisches Gemeindeseminar zum Thema Armut. Wir wollten aber nicht nur darüber reden, sondern eine Handlungsperspektive haben.″ Aus dem Seminar entstand ein Arbeitskreis, der sich die Frage stellte: „Wo können wir in Hagen-Vorhalle helfen?″ So entwickelte sich die Idee der Warenabgabe. Bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten bot das städtische Drogen-Therapiezentrum seine Hilfe an. Kurzfristig renovierten Leute des Zentrums Räume im alten Amtshaus, die nun von der „Palette“ genutzt werden können.
Für Gisela Hirschfeld, Presbyterin und Mitarbeiterin im Arbeitskreis, ist das ein Glücksfall. „Nicht nur die Kirchen, sondern auch das städtische Zentrum mit ehemaligen Drogenabhängigen sind dabei. Das senkt die Schwelle, zu uns zu kommen″, ist sie sich sicher.
Die „Palette″ will sich aber nicht nur auf die samstägliche Warenausgabe beschränken, sondern zeitgleich einen Cafébetrieb eröffnen. Hier finden die Einkäufer Ansprechpartner, die Paletten-Mitarbeiter wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen und Hilfen anbieten. „Manchmal scheitern Ansprüche an der fehlenden Struktur″, beobachtet York-Herwarth Meyer, dass es oft nur kleine Anstöße wie das Erinnern an Termine sind, die die Menschen brauchen.
Wie sein katholischer Kollege, Pfarrer Dr. Gert Schneider, unterstützt Meyer das Vorhaben auf ganzer Linie. Hilfe gibt es auch vom Caritasverband. In der Geschäftstelle des Caritasverbandes an der Hochstraße werden die Berechtigungsscheine ausgestellt, die beim Einkauf vorgelegt werden müssen. Einkaufsberechtigt sind einkommensschwache Familien und Einzelpersonen (Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Grundsicherung). Am ersten Einkaufstag geht es noch ohne Schein, ein Sozialarbeiter des Caritasverbandes ist dann vor Ort und berät die Kunden. Personen, die einen Berechtigungsschein ausgestellt bekommen möchten, sollten die dafür benötigten Unterlagen mitbringen (Bescheide über den Bezug von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Grundsicherung).
Finanziell gefördert wird das Projekt aus Mitteln des europäischen Sozialfonds und Bundesmitteln: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet das Förderprogramm LOS (Lokales Kapital für soziale Zwecke) an. Hiermit sollen soziale Projekte in Stadtteilen unterstützt werden. Die „Palette″ wurde als förderungswürdig eingestuft, so dass u.a. eine dringend benötigte gebrauchte Ladeneinrichtung angeschafft werden konnte.
Wie viele Stunden die 27 ehrenamtlichen Helfer bisher in ihr Projekt investiert haben, lässt sich kaum nachhalten. Sie alle wissen: Das war erst der Anfang. Denn wichtig ist die verlässliche Öffnung der „Palette″. So sind aktive Mitstreiter herzlich willkommen. Vor dem Start ist die Stimmung positiv angespannt: „Wir haben viel Optimismus, Enthusiasmus und sind aber auch ein wenig unsicher ″, sagt Axel Widera, Koordinator des Projektes. „Wir wissen ja nicht, was auf uns zukommt. Wir sind aber davon überzeugt, dass wir helfen können.″
Öffnungszeiten der „Vorhaller Palette″ im alten Amtshaus, Vorhaller Str. 21: Jeden Samstag, 10 bis 12 Uhr, zusätzlich Cafébetrieb, 9.30 bis 13 Uhr. Informationen: Gemeindeamt der ev. Kirchengemeinde Tel.:0 23 31/30 13 67, Pfarrbüro der kath. Kirchengemeinde Liebfrauen Tel.: 0 23 31/30 12 90.
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