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Auch eine Torte in Form der Bibel gab es zum hundertjährigen Jubiläum.
Foto: Martin Schwerdtfeger
02.10.2003 Am 2. September 1903 kam der deutsche Missionar August Theis ins Simalungun-Gebiet im Norden von Sumatra. Im Auftrag der Rheinischen Missionsgesellschaft verband er Verkündigung, Schulbildung und Gesundheitspflege. Aus seiner Arbeit für die Menschen ist eine lebendige Kirche entstanden. Diese lud zur Feier des Jubiläums ihre deutschen Partner ein.
Herzlich werden wir am Flughafen in Medan empfangen. Wir, das sind Erika Schlegel (Presbyterin aus Eilpe und Mitglied im Ausschuss für Mission, Ökumene und Weltverantwortung), Ulrike Stallmann (Bezirksverband der Frauenhilfe und Leiterin der Grünen Damen) und Martin Schwerdtfeger (Beauftragter für Weltmission). Uns begleitet die Gemeindepädagogin Henrisna Saragih, die nach einem Jahr in Deutschland in ihre Heimat zurückkehrt.
Die ersten Tage über tasten wir uns in das Leben dieser heißen Millionenstadt Medan hinein. Immer wieder überrascht uns der Linksverkehr, wenn wir beim Überqueren der stark befahrenen Straßen in die falsche Richtung schauen. Henrisna gibt auf uns acht. Wir besuchen die große Moschee und haben Gespräche mit kirchlichen Frauengruppen. Wir vergleichen Lebensbedingungen und die Arbeit in den Gemeinden. Am Sonntag feiern wir Kinder- und Erwachsenengottesdienst mit. Wir erzählen und singen. Geschichten und Lieder aus zwei Kulturen begegnen sich.
Danach fahren wir aufs Land. Wir besuchen die Internate in Sondi Raya und sehen Fortschritte in der Selbstversorgung mit Gartenbau, Hühnerzucht und Wasserversorgung. Die Jugendlichen nehmen Verantwortung wahr für die Einrichtungen. Um 5 Uhr morgens putzen sie vor der Schule, nachmittags arbeiten sie im Garten. Sie lernen und suchen das Gespräch mit uns. Und wir freuen uns an ihren schönen Liedern und am gestiegenen Selbstbewusstsein.
Wir besuchen Arbeitsprojekte in der Landwirtschaft, die junge Erwachsene selbst organisieren, und diskutieren einen Fonds für Kleinkredite und die Gefahren von Pestiziden. „Lange sind wir ohne Gifte ausgekommen,“ berichten die jungen Bauern, „aber nun verdirbt die Hälfte unserer Ernte. Wir brauchen eure Hilfe, wenn wir vorankommen wollen.“ Wir verabreden, Informationen auszutauschen und nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu suchen. Bei der Jugendbegegnung im kommenden Jahr werden einige dieser jungen Erwachsenen vielleicht dabei sein und wir könnten uns Landwirtschaft im Kirchenkreis anschauen und Projekte für arbeitslose Jugendliche.
Als wir zum Tobasee kommen - bis vor kurzem ein Zentrum des Tourismus - sehen wir die Folgen der Bombenanschläge auf Bali und in Jakarta. Hotels stehen leer. Restaurants und Andenkenläden warten vergeblich auf Gäste. Ob sie zurückkommen werden, bevor die Zeugnisse der alten Kultur verfallen sind und die Infrastruktur ganz neu aufgebaut werden müsste?
Wieder im Alltag erleben wir, wie das Jubiläum Kräfte und Fantasie freisetzt. Feiern werden vorbereitet, Chöre üben, Straßen werden asphaltiert, Häuser frisch gestrichen. Ein neues Krankenhaus wird eingeweiht. Festplätze werden geschmückt. Aus dem ganzen Land kommen Gäste, um bei den Feiern dabei zu sein. Sie werden privat und in den Internaten aufgenommen. Alle rücken zusammen.
„Lambat, tapi pasti! - Wir Simalungun sind vielleicht langsam, aber wenn wir etwas begriffen haben, dann kann man auf uns zählen,“ predigt Bischof Edison Munthe im Festgottesdienst am 2. September. „Die Missionare haben Geduld gebraucht, als sie zu uns kamen. Aber daraus ist eine Kirche gewachsen, die nun feiert.“ Und Gäste aus Sri Lanka, aus Japan und Deutschland feiern mit. Lebendig wirken die Tänze, Lieder und Chöre. Kirchentags-Atmosphäre kommt auf. Liturgien sind neu gestaltet. Und die Planungen des Vorbereitungs-Komitees haben mit so vielen Menschen nicht gerechnet. Simalungun feiert. Der katholische Kardinal grüßt und ein muslimischer Imam nennt Christen und Muslime Geschwister und ruft zur Zusammenarbeit in Frieden auf.
Pfarrer Dietrich Weinbrenner übergibt 20.000 Bibeln und Gesangbücher in der Simalungun-Sprache, deren Druck die westfälische Kirche bezahlt hat. In jedes Haus soll eine Bibel. Unser Besuch macht Mut. „Die Geschwister in Deutschland denken an uns.“
Martin Schwerdtfeger
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