"Ich bin angekommen"

Ben Shekarchi kennt das Gefühl der Ungewissheit. Der 31-Jährige ist aus dem Iran geflüchtet. Vor fast sieben Jahren hat er sich auf gemacht. Von Teheran in Richtung besseres Leben. In Wetter hat Ben jetzt eine neue Heimat gefunden. Für die „Das-ist-der-Hammer-Kampagne“ des Kirchenkreises stellt der die Frage „Kannst du sein, wie du bist?“ und erzählt dabei von seiner Geschichte. Und seinem Weg in eine neue Zukunft.

Ben Shekarchi kennt das Gefühl der Ungewissheit. Der 31-Jährige ist aus dem Iran geflüchtet. Foto: M. Döbler/TSEW

Warum hast du den Iran verlassen?
Der Iran ist ein Gefängnis. Die Führung des Landes möchte nicht, dass die Menschen frei leben und hat das System so gemacht, dass sie Kontrolle und Macht ausüben kann. Das hat natürlich auch Einfluss auf die Bildungs- und Berufsmöglichkeiten. Ich konnte in dieser Gesellschaft nicht mehr leben. Die Angst war im Iran mein steter Begleiter. Ich wollte nicht wie mit einer Maske leben. Niemand sollte mir sagen, wie ich leben muss und woran ich glauben soll. Ich wollte einfach raus. Für meine Freiheit habe ich meine Heimat verlassen. Meine Eltern und mein Bruder leben noch in Teheran. Meine Schwester wohnt mit ihrer Familie in Kanada.

Wie ist dein Weg in die Freiheit verlaufen? Bist du angekommen, wo du sein möchtest?
Der Weg ist lang gewesen. Und er ist auch nicht beendet. Ich habe ihm Iran viele Menschen zurückgelassen, die mich nicht oder nur zum Teil verstanden haben – meine Familie und meine Freunde. Und dann kam ich in anderen Ländern an, und dort reagierten die Menschen extrem vorsichtig auf mich. Man ist erst einmal auf sich allein gestellt. Ich habe in den vergangen Jahren viele Realitäten gesehen, die nicht alle gut waren. Ich habe fast fünf Jahre in einer Sammelunterkunft für Flüchtlinge gewohnt. Inzwischen glaube ich, dass ich große Teile des deutschen Lebens verstehe. Ich bin angekommen, habe Freunde, gute Kontakte und bin hier stark in die Gemeinde eingebunden. Das hilft mir sehr.

Wie frei fühlst du dich in Deutschland?
Zu 100 Prozent frei fühle ich mich noch lange nicht. Natürlich fehlen mir meine Familie und Freunde. Und ich muss es jetzt schaffen, Arbeit zu finden. Im Iran habe ich eine Ausbildung zum Informatiker gemacht und mich außerdem künstlerisch betätigt. Ich habe gezeichnet, fotografiert, tätowiert und Theater gespielt. Das fehlt mir hier sehr, und das möchte ich wieder machen können. Noch bin ich abhängig vom System. Das möchte ich ändern. Ein bisschen ist es so, als ob ich eine blanke CD neu beschreiben muss.

Mit Ben Shekarchi sprach Kristina Hußmann.