Ein Licht für alle verstorbenen Kinder

Marias Sohn ist in ihren Armen gestorben. Vier Monate war der kleine Junge alt, als er nicht mehr leben konnte. Maria verlor an diesem Tag ihr zweites Kind. „Ich wollte die Augen schließen und sie nie wieder aufmachen“, sagt sie. Zuhause war ihre siebenjährige Tochter. „Sie hat auf mich gewartet“, blickt Maria heute, 20 Jahre später, zurück.„So konnte ich weitermachen.“ Am zweiten Advent wird Maria im Gedenken an ihre Kinder eine Kerze ins Fenster stellen.

Während des Gottesdienstes wird für jedes Kind eine Kerze angezündet. Foto: Nicole Schneidmüller-Gaiser

Und sie wird wissen: in vielen Länder der Erde  tun es ihr Familien gleich; Familien, die Gleiches erlebt haben. „Zünde ein Licht an für ein verstorbenes Kind“ – das ist die Idee hinter dem Candle Lighting Day, der weltweit jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember, in diesem Jahr am 10. Dezember, begangen wird.

In der Ev. Pauluskirche, Gutenbergstraße 18 in Hagen, findet an diesem Tag um 16 Uhr  ein Gottesdienst für verstorbene Kinder statt. Den Gottesdienst organisieren neben dem Seelsorge-Team des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) und dem Kinderhospiz Sternentreppe auch der „Treffpunkt verwaister Eltern“, zu dem Familien und auch Mitarbeiterinnen der Kinderintensivstation der Klinik gehören. „Uns ist wichtig, dass der Gottesdienst ein Angebot für alle Angehörigen ist, die ein Kind verloren haben“, erklärt Jürgen Krullmann, der als Pfarrer auch Krankenhausseelsorger am AKH ist. So habe schon einmal ein Ehepaar diesen Gottesdienst besucht, dessen Kind vor mehr als 40 Jahren gestorben ist, erinnert er sich. „Aber auch Familien, die sich schon vor der Geburt von einem Kind trennen mussten, finden in dem Gottesdienst einen Platz, an dem den Kindern in sehr besonderer Weise gedacht wird.“

Während des Gottesdienstes soll vor allem Raum für das Erinnern sein, so der Pfarrer. „Für jedes Kind wird eine Kerze angezündet. In einem Gedenkbuch können die Namen der Kinder festgehalten und dann auch verlesen werden.“ Im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen und neben Informationsmaterial die Möglichkeit zum Austausch. Während der gesamten Zeit bieten die Organisatoren auch eine Kinderbetreuung für Geschwisterkinder in der Sakristei der Kirche an. Die Gospelformation Living Voices wird den Gottesdienst musikalisch mitgestalten.

Auch Maria will an diesem Tag in die Kirche gehen. „Ich habe in diesem Jahr zum ersten Mal davon gehört und finde es toll, dass es einen herausgehobenen Moment für alle Kinder und Betroffenen gibt.“  Als Maria ihre Kinder verlor, vor 30 und vor 20 Jahren, habe sie ihre Trauer vor allem mit sich selbst verarbeitet. Das gute seelsorgerische Angebot, das heute Familien nach dem Tod eines Kindes unterstützen oder sogar auffangen kann, habe es damals noch nicht gegeben. „Die Betreuung während unserer Zeit auf der Intensivstation allerdings, die war einfach nur wunderbar“, erinnert sie sich. „Die Schwestern haben möglich gemacht, dass ich mit meinem Baby in einem Bett schlafen, dass ich meinen Sohn in den Armen halten konnte“, sagt die 50-Jährige und lächelt. Noch heute habe sie Kontakt zu einer Schwester, von der sie auch von dem Gottesdienst und dem Gedenktag erfahren habe.

Zusammen mit einer guten Freundin will Maria in die Pauluskirche gehen. „Ich freue mich auf diesen Tag. Es ist eine schöne Vorstellung, ein Gefühl, dessen Tiefe kaum zu beschreiben ist, mit anderen Menschen in diesem Rahmen unausgesprochen teilen zu können.“

 

Hintergrund Candle Lighting Day:

Jedes Jahr wird am zweiten Sonntag im Dezember auf der ganzen Welt der Candle Lighting Day begangen. Menschen, die ein Kind verloren haben, Eltern, Großeltern, Geschwister, stellen am Abend um 19 Uhrfür eine Stunde eine Kerze ins Fenster. Über die verschiedenen Zeitzonen hinweg entsteht so eine Lichterkette, die sich einen Tag lang um die ganze Welt zieht.

Hintergrund Treffpunkt verwaister Eltern:

Der Treffpunkt verwaister Eltern kommt vier Mal im Jahr zusammen. Das erste Treffen in 2018 findet ).